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Einfach zum Nachdenken – Schulautonomie

Liebe Eltern!

Die Schulreform, so der Pressetext, soll unsere Kinder für die Zukunft stärken und den Kindern mehr Möglichkeiten geben ihre Talente optimal auszunutzen.

Schulautonomie, das klingt nach mehr Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiraum der Schulen. Was sich aber tatsächlich hinter dieser Verpackung versteckt, darüber wird intensiv argumentiert.

Der Landesverband der Elternvereinigungen an höheren und mittleren Schulen im Bundesland Salzburg wird daher mit einer Informationskampagne beginnen. Am 30. Nov. 2016 ging nun ein Schreiben an alle Elternvereine der AHS und BMHS mit Kopie an die Salzburger Schulpartner, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer, das Präsidium des Salzburger Landesschulrat, Bundeskanzler Mag. Christian Kern, Bundesministerin Dr. Sonja Hammerschmidt, die Salzburger Nachrichten und den ORF. Darin formuliert der Verband massive Bedenken.

Der im Text zitierte SGA steht für Schulgemeinschaftsausschuss. Mitglieder des SGA sind der Schulleiter (als Vorsitzender) sowie Vertreter der Lehrer, der Schüler und der Erziehungsberechtigten.

Das Thema ist komplex, die Wirkung weitreichend. Als betroffene Eltern sollten wir uns damit auseinander setzen.

Ihr / Euer Elternvereinsteam

 

Abdruck des Schreibens des Landesverbandes:

An die Elternvereine der AHS und BMHS im Bundesland Salzburg

Resolution zum geplanten Autonomiepaket der Bundesregierung,

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

kürzlich beschloss unsere Bundesregierung in einem Ministerratsvortrag die Umsetzung eines sogenannten „Autonomiepaketes“. Wieder einmal wurden die österreichischen Schulpartner (Schüler-, Lehrer- und Elternvertretung) trotz zahlreicher Angebote und Versuche zur Mitarbeit, nicht eingebunden.

Noch schlimmer: Bundeskanzler Kern erklärte bei einer Sitzung im November 2016 unmissverständlich, dass die schulpolitischen Vorgaben des Bundes ohne die „störende“ Einmischung von Ländern oder Schulpartnern (Eltern, Schülern, Lehrern) umgesetzt werden muss.

Das vorliegende Paket sieht unter dem Deckmantel einer angeblichen Autonomie, massive Eingriffe in unseren Schulalltag vor wie

 

·         Entmachtung der Schulpartner an den Schulstandorten.

Von den 15 Bereichen des SGA, wo Eltern, Schüler und Lehrer wesentliche Entscheidungsrechte zustehen, werden 10 ersatzlos gestrichen, wie etwa die Entscheidung über

 

o mehrtägige Schulveranstaltungen,

o die Hausordnung

o die schulautonome Festlegung von Eröffnungs- und Teilungszahlen

o schulautonome Schulzeitregelungen

o die Festlegung der Ausstattung der Schüler mit Unterrichtsmitteln oder

o die Festlegung einer alternativen Form der Beurteilung der Leistungen

 

Folge: Von der Schuldemokratie zur Schuldiktatur!

·         keine Schulprofile (Schwerpunktschulen), da es in Zukunft keine Genehmigung von Schulversuchen gibt.

 

Folge: Keine individuelle Talente-Förderung sondern Schaffung des Einheitsschülers!

·         völlige Freigabe der Klassen und Gruppengrößen

Folge: Riesenklassen mit erheblichen pädagogischen Qualitätseinbußen durch schlechte Betreuungsverhältnisse und Verhinderung eines individualisierten Unterrichts.

·         Zentralismus durch direkten Eingriff des Bildungsministeriums auf jeden Schulstandort

Folge: Mit der Errichtung des Schulclusters enden an den Schulen im Schulcluster die Funktionen eines Direktors, Erziehungsleiters, Abteilungsvorstandes, Fachvorstandes und Administrators.

Die von der Österreichischen Bundesregierung verordnete budgetäre Aufkommensneutralität im Autonomiepaket erzwingt eine zusätzlich starke Mangelwirtschaft an Österreichs Schulen.

Salzburgs Eltern fordern einen Stopp der Regierungspläne unter dem Deckmantel Schulautonomie und einen Neustart der Verhandlungen gemeinsam mit den Schulpartnern.

Salzburgs Eltern werden es nicht hinnehmen, dass unsere bunte Schullandschaft zu einem System von Einheitsschulen ohne Mitwirkung der Eltern mutiert. Wir wollen keine Entmündigung und somit auch keine Fernsteuerung des Bildungsministeriums in jede einzelne Klasse!

 

Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sind umfangreiche Aktionen geplant!

 

Mit freundlichen Grüßen

Heidrun Eibl-Göschl, Landeselternvorsitzende